Saturnaufnahmen mit Webcam und Giotto
Tipps von Silvia Kowollik

letzte Änderung:
20.02.2007

Grundvoraussetzungen für gelungene Saturnbilder:

 

Teleskop mit mindestens 6" Öffnung

  Parallaktischen Montierung mit motorbetriebener Nachführung
  Barlow-Linse oder Okularprojektionsadapter zur Brennweitenverlängerung
  Webcam, 1 1/4" Adapter und UV-IR Sperrfilter
  Computer mit USB 2.0 Port
  Software Giotto
   
  Prinzipiell kann man mit jedem Teleskop Planeten aufnehmen. Egal ob Refraktor, Schmidt-Cassegrain oder Newton. Wichtig ist lediglich, daß der Himmel klar ist (Hochnebel oder Cirren nehmen zu viel Licht weg). Die Mondphase spielt keine Rolle, da man möglichst bei Brennweiten zwischen 4 und 6 Metern arbeiten sollte, um eine hohe Auflösung des Planeten zu erreichen. Der beste Zeitpunkt für Planetenaufnahmen ist das Zeitfenster +- 2 Stunden zur Kulmination. Dann steht Saturn sehr hoch und die Refraktion der Atmosphäre ist am geringsten.

Wichtig ist, daß kein Beobachter neben oder unter dem Teleskops steht - jeder Mensch gibt Wärme ab und bei der hohen Vergrößerung macht sich die Wärmestrahlung unangenehm bemerkbar. Bewegt sich ein Beobachter während der Aufnahme, führt das zu Schwingungen und unscharfen Bildern, falls das Teleskop nicht auf einer vom Boden entkoppelten Säule steht.

Die meisten Schulteleskope stehen einfach auf dem Dach des Schulgebäudes und neigen zu starken Schwingungen. Daher empfehle ich, zwei Stühle und einen Klapptisch ca. 2 Meter vom Teleskop entfernt aufzustellen. Die Entfernung hängt von der Länge des Webcamkabels und natürlich der Geometrie der Sternwarte ab.

   
  Vorbereitungen zur Aufnahme:

Für Aufnahmen sollte man möglichst zu zweit sein. Beobachter 1 steht am Teleskop, zentriert mit einem kurzbrennweitigen Okular (am besten ein beleuchtetes Fadenkreuzokular) Saturn genau mittig im Gesichtsfeld, zieht die Klemmung der Achsen fest und wechselt dann das Okular gegen die Webcam aus. Beobachter 2 sitzt am Computer und bedient die Webcam. Mit dem Helligkeitsregler bis zum Anschlag fahren, den Verstärker auf 1/3 aufdrehen und am Livebild überprüfen, ob ein heller Fleck im Gesichtsfeld der Webcam auftaucht. Keine Panik, falls nicht sofort etwas zu sehen ist. Die Webcam sitzt etwas außerhalb des Brennpunktes. Beobachter 1 dreht jetzt sachte am Okularauszug bis Saturn auf dem Bildschirm sichtbar wird. Das endgültige Scharfstellen spielt sich im Millimeter- oder gar Mykrometerbereich des Stellknopfes am Okularauszug ab und ist etwas fummelig. Auch ohne Übung sollte es innerhalb von 3-5 Minuten gelingen, Saturn optimal scharf zu stellen. Die Schärfe kann man am besten an der Cassiniteilung beurteilen.

Dazu nimmt Beobachter 2 den Verstärker soweit zurück, bis kaum oder garkein "blauer Schnee" auf dem Bildschirm zu sehen ist. Dann sollte die Farbbalance mit den Schiebereglern für "Rot" und "Blau" eingestellt werden. Saturn hat eine gelbliche Farbe, die Ringe sollten grau bis weiß erscheinen.

Als nächstes wird die Webcam durch Beobachter 1 so orientiert, daß bei Betätigen des Rektaszensionsknopfes an der Steuerung Saturn senkrecht "rauf" bzw. "runter" läuft. Nochmal die Schärfe kontrollieren, durch das Verdrehen der Webcam kann sie sich verstellt haben.

   
  Während der Aufnahme:

Wenn alle Einstellungen zur Zufriedenheit der beiden Beobachter erledigt sind, sollte sich Beobachter 1 ebenfalls auf einen Stuhl setzen, um Schwingungen während der Aufnahme zu vermeiden.

Auf keinen Fall darf während der Aufnahme jemand auf dem Dach herumlaufen. Das ruiniert die Aufnahmen!


Bezugsquelle für Giotto: http://www.videoastronomy.org/


Achtung, die neue Giotto 2.10 Version hat einen Bug! Superresolution funktioniert nicht und führt zum Absturz des Programms. Georg Dittié wird diesen Bug in der nächsten Version bereinigen...

 

Die Bildbearbeitung gliedert sich in 4 Einzelschritte:

- Gewinnung von Rohbildern mit der Webcam
- Mitteln der Einzelbilder, um das Rauschen des Hintergrundes zu reduzieren und Fehlerpixel zu eliminieren
- Einsatz diverser Filter, um schwache Einzelheiten besser darzustellen 
- Tonwert, Kontrast und RGB Korrektur des Summenbildes



Aufnehmen von Bildern
 
Bilder aufnehmen:

Giotto bietet 2 Optionen, um Bilder aufzunehmen:
Bildaufnahme aus einem Videostream
 (analog mit TV-Karte oder per Webcam, digital über Firewirekabel)
Timergesteuerte Aufnahme (hier kann man zwischen .avi File und .bmp Dateien wählen, die Beschreibung bezieht sich auf Aufnahmen mit der Webcam PCVC 740 Pro (ToUcam))

 
     

Geeignetes Videoformat und Bildfrequenz einstellen
  Die Standardeinstellung des Microsofttreibers (Win XP) für die Philips Webcam ist 320x240 Pixel bei einer Bildrate von 10 Bildern pro Sekunde. Für Astrobilder ist diese Einstellung nicht tauglich.

Als erstes legt man im Menü "Bildaufnahme" über die Knöpfe "Bildaufnahme von AVIs",  "Videoformat" als "Ausgabegröße" entweder den gesamten Chip (640x480 für Sonne, Mond) oder die Chipmitte (352x288 für Planeten) fest.

Anschließend legt man die "Einzelbildrate" fest. Bei meinem Laptop kann ich bei 640x480 Pixel 20.000 und bei 352x288 Pixel 25.000 einstellen, das können aber je nach Laptop auch geringere Werte sein. Insbesondere Besitzer von älteren Laptop´s/PC´s, die nur über USB 1.1 Ports verfügen, müssen hier geringere Werte einstellen, da sonst sehr stark komprimiert wird!
     

Mars bei ca. 6 Meter Brennweite im Format 352x288 Pixel
  Diese Abbildungsgröße erreicht ein Planet mit ca. 20 Bogensekunden und 6 Meter Brennweite (Okularprojektion oder Barlow-Linse zur Brennweitenverlängerung), wenn man ihn "im Fenster" darstellt
     

Speicherort für die aufgenommenen
Bilder/AVI´s einstellen
 

Speicherort einstellen:
Über den Knopf  "AVI-Reihe" legt man fest, wo und unter welchem Namen die Daten gespeichert werden sollen. Den Pfad kurz halten und keine Sonderzeichen im Namen vergeben!

Am besten für jedes Objekt ein eigenes Verzeichnis mit Datum und Objektnamen:
Z. B. : Saturn-07-02-10 (Saturn am 10.2.2007)
 

     


Anzahl der Bilder pro Sequenz festlegen


 
 

Anzahl der gewünschten Bilder einstellen:
Ich verwende 7200 Bilder pro Serie bei Saturn - diese 7200 Bilder bekomme ich in 5 Minuten auf meine Festplatte. In 5 Minuten habe ich noch keine Unschärfe durch die Planetenrotation und es sind meist genügend scharfe Bilder für die Bildberechnung darunter...

 

 

 

     
Das Gesichtsfeld der Webcam ist winzig. Der Planet muß im Faden-kreuz stehen, sonst "sieht" ihn die Webcam nicht!   Vorbereitung am Teleskop:
Nachführung einschalten, Objekt mit kurzbrennweitigem Okular (= hohe Vergrößerung, am Besten beleuchtetes Fadenkreuzokular) mittig im Teleskop zentrieren, Okular raus und Webcam mit Okularadapter ins Teleskop schieben.

Bei Linsenteleskopen und der Verwendung von Barlow-Linsen empfehle ich dringend den Einsatz eines UV-IR Cut Filters, da die Gläser für IR nicht korrigiert sind, die Webcam aber im IR sehr empfindlich ist. Ohne UV-IR Cut hat man sonst ein sehr unscharfes IR-Bild über dem Farbbild...
     

Grundeinstellungen (1)
  Grundeinstellungen der Webcam (Bildeinstellung):

"Bildeinstellung" anklicken, "Bildregler" anklicken (1. Registerkarte):
Den Helligkeitsregler nach Rechts bis zum Anschlag schieben


 

 


Grundeinstellungen (2)
  "Kameraregler" anklicken (2. Registerkarte):
Die Belichtungszeit auf 1/25 Sekunden setzen
Den Schieberegler "Gewinn" in die Mitte schieben





 
     
   

Bild am Monitor darstellen:
War das Objekt hell genug und stand sauber in der Mitte des Gesichtsfeldes des Okulars, so müßte jetzt ein verwaschener Lichtklecks auf dem Monitor sichtbar sein. Mit der Feinbewegung des Teleskops den Klecks mittig zentrieren. Anschließend langsam an der Schärfe drehen. Wird der Lichtklecks kleiner, ist es die richtige Richtung. Wird der Klecks wieder größer, ohne daß vorher das Objekt scharf mit Details zu sehen war, ist die Belichtungszeit zu lange. Belichtungszeit (Registerkarte 2) um 1 oder mehrere Stufen reduzieren, Gewinn nach links schieben, Bildhelligkeit (Registerkarte 1) ebenfalls reduzieren. Nochmal scharf stellen.

Weißabgleich:
Ist das Bild richtig scharf, kann man die Farben mit den Schiebereglern für Rot und Blau (Registerkarte 2) regeln - der automatische Weißabgleich funktioniert bei wenig Licht nicht richtig - sowie die Sättigung und Gamma (Registerkarte 1) einstellen

     




Einstellungen für AVI´s, die mit einer Webcam aufgenommen wurden



Einstellmöglichkeiten für die Bildzentrierung



Subpixelgenaues Zentrieren



Sortiereinstellungen beim Qualitätscheck



Bilder mitteln (Planetenbilder)




 

 

Bilder mitteln:


Unter dem Knopf "Rohbildquelle" sind die Parameter für die Kamera einmalig einzustellen:
- "AVI-File"
- "Webcam"

 

 

 

Unter dem Knopf "Zentriermethode" sind die Parameter je nach Seeing einzustellen:
- "Helligkeitsschwerpunkt"
bei sehr ruhiger Luft
- "Planetenscheibchen"
bei durchschnittlichem Seeing
- "Nachgeführtes Paßmuster"
bei besonders heiklen Oberflächendetails wie    Cassiniteilung, GRF, oder Bildern, die unterschiedlichen Durchmesser des Planetenscheibchens zeigen (= letzte Hoffnung für "Schwabbelbilder")...
- "Keine Zentrierung" ist für Aufnahmen geeignet, bei denen kein Seeing die Bildpunkte verzerrt, z.B. bei Aufnahmen mit Weitwinkelobjektiven, Flatfield- und Dunkelstrombilder.
 


 

 

Unter dem Knopf "Superresolution" kann man auswählen, ob man Subpixelgenau arbeiten möchte. Dabei wird das entstehende Bild doppelt so groß wie die ursprünglichen Rohbilder, das Verfahren benötigt viel Rechenzeit, liefert aber weitere Details und glatteren Hintergrund!

Bei durchschnittlichem bis gutem Seeing lohnt sich Superresolution

 

 

 

Unter dem Knopf "Sortiereinstellung" liegt das Herz von Giotto. Hier kann man je nach Qualität und Menge der Einzelaufnahmen das Verhältnis "Schärfe/Verzerrungen" optimal einstellen und auch die Anzahl der Bilder festlegen, die nach dem Vergleichen für die Mittelung verwendet werden sollen. Hat man viele Bilder (3600 und mehr), kann das Programm mit 5-25 % tolle Ergebnisse erzielen...

Mit der Einstellung 5%, 50/50 macht man so gut wie nie etwas falsch. Man vergibt höchstens ein paar Bilder, die auch noch tauglich gewesen wären.

 


"Mitteln" bildet Durchschnitt eines jeden einzelnen Pixels, richtige Einstellung für Planetenbilder
 
"Kumulieren" bildet jeweils den hellsten Wert eines jeden einzelnen Pixels, mögliche Einstellung für Deepsky Objekte (bei auf Langzeitbelichtung umgebauter Webcam)

"Fotomodus" summiert jeden Helligkeitswert pro Pixel auf, für Astrobilder untauglich.

Das Summenbild wirkt "flau" und unscharf, nach der weiteren Bearbeitung können jedoch sehr viele Details sichtbar werden.

Giotto speichert nach dem Mitteln automatisch das Summenbild als FTS Format. Ich empfehle, das Bild nach jedem weiteren Bearbeitungsschritt ebenfalls im FTS Format unter einem aussagekräftigen Namen zu speichern, so daß man im Zweifelsfall vor der mißglückten letzten Bearbeitung ansetzen kann und nicht die gesamte Bearbeitung noch einmal machen muß. Erst das fertig bearbeitete Bild als BMP oder JPG speichern, da sonst Verlußte zwischen den Bearbeitungen entstehen.
 

Filtern

Beim Filtern verwende ich so gut wie nur den "Mexican Hat".

Bei der "Filterform" markiere ich "Dreieck", 

Bei "Charackteristik" je nach gewünschtem Filtereffekt:
"kritische Dämpfung" = sanfter Filter, mein Lieblingsfilter + "Adaptiver Filter"
"Bessel" = mittlerer Filter,
"Butterworth" = starker Filter

"Filtergröße": "7"-"13", bei subpixelgenau gemittelten Bildern "17 - 23"
"Rauschfiltergröße": "3"
"Filterwirkung": 300 - 500%, bei subpixelgenau gemittelten Bildern max. 1600%

Entstehen Artefakte, zuerst mit der Filterwirkung zurückgehen (von 500 --> weniger), reicht das nicht, mit der "Filtergröße" zurückgehen (13 --> 11, 9,7), bleiben auch bei reduzierter Filtergröße Artefakte übrig, den nächst schwächeren Filter ausprobieren (Bessel --> kritische Dämpfung)...

Bei Filterwirkung 100% bleibt der Dynamikumfang gleich (1:1), bei mehr als 100% wird der Kontrast besser.

Tonwert korrigieren

Tonwert korrigieren

Der Farbabgleich am Livebild gelingt mir nie optimal, ich versuche das immer mit Tonwertkorrektur zu verbessern.

Meistens muß ich den Blaukanal reduzieren.

Gleichzeitig kann ich so die Farbsättigung erhöhen und im nächsten Bearbeitungsschritt dann die Farbsäume verringern...

RGB-Korrektur

Blau-/Rotsäume korrigieren

mit den Pfeiltasten für Rot und Blau kann man die beiden Farben gegeneinander verschieben und so die Farbsäume durch Refraktion in der Luft und an diversen Glassorten verringern.

Je nach Optik muß eventuell auch einer oder beide Kanäle in der Größe verändert werden.
 

Kontrast einstellen

Kontrast einstellen:
Für die Kontrasteinstellung gibt es je nach Bildmotiv optimale Einstellungen:

Planeten mit "Gamma" (Jupiter: "1,1 - 1,3", Saturn: "0,9", sonstige Planeten je nach Helligkeit: "1" bis "1,5")
Sonnenflecken und Mond mit "Linear"
Protuberanzen mit "Exponentiell"
Kometen mit "Logaritmus"

Richtwerte:
"Untergrund" auf "Automatik", "Top Level" auf "95%", 
"Equalizing" für Galaxien: "99%", für Planeten: 99,6%. Beim Equalizing wird das Spektrum zwischen total weiß und total schwarz gedehnt und vorher nicht sichtbare Einzelheiten erscheinen...
 

Und hier nun die Bearbeitungsergebnisse nach jedem Schritt: 

Bearbeitung mit Bildern aus einem Videostream:
150/750 mm Newton auf Sphinx, Brennweite mit Okularporjektionsadapter von Baader und 12,5 mm Plössel Okular auf ca. 4 Meter erhöht, 
3600 Einzelbilder von Jupiter wurden mit "Planetenscheibchen zentrieren" und einer Verwendungsrate von 15% subpixelgenau gemittelt, die
feinen Einzelheiten mit Hilfe des "kritische Dämpfung"-Filters beim "Mexican Hut" und "Adaptivem Filter" hervorgehoben und dann den Ton-
wert angepaßt, die RGB Korrektur (Farbsäume elininiert) und den Kontrast erhöht. Analog geht es auch bei allen anderen Planeten :-))...



Einzelbild
 

Summenbild
 

Filter
 
           


Tonwert
 

RGB Korrektur
 

Kontrast
 

Noch Fragen oder Anregungen? Einfach eine Mail an: "astro@silvia-kowollik.de".


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